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Rituale und Zeremonien

Hier findest Du einen Überblick der häufigsten Anwendungsarten von Ayahuasca.
Erfahre mehr über die Bedeutung des wie und wo starke Bewusstseins-verändernde Substanzen wie Ayahuasca benützt werden

Traditionelle Amazonas-Heilung

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Schamanistische Ayahuasca Zeremonie
Ein Schamane ist eine Person, die ihren Weg zu einem veränderten Bewusstseinszustand kennt und in diesen Zustand eintritt um Patienten zu heilen. Der schamanistische Trancezustand, normalerweise durch eine Kombination von Pflanzen und psychedelischer Musik eingeleitet, ermöglicht es einen Teil dessen wahrzunehmen, das bei normalem Bewusstseinszustand nicht möglich ist. Dies normalerweise zum Zwecke der Heilung, Weissagung oder der Kommunikation mit der Geisterwelt.

Ayahuasca ist ein schamanistisches Werkzeug, wenn nicht gar das wichtigste im Amazonas. Laut vielen indigenen curanderos (Heiler) kommt ein Grossteil ihres botanischen Wissens direkt aus Ayahuascaräuschen. Bei Heilungs-Sitzungen, die in bestimmten Nächten der Woche abgehalten werden, nehmen zwischen vier und acht Patienten teil. Das Ritual beginnt um etwa acht oder neun Uhr abends und dauert bis zu sieben Stunden. Es findet im Haus oder der “Klinik” des Schamanen in völliger Dunkelheit statt, was die visionären Elemente von Ayahuasca stimuliert.

Der Schamane trinkt Ayahuasca um die spirituellen Ursachen für die Krankheit seiner Patienten zu sehen. Manchmal trinken auch die Patienten Ayahuasca. Über den Grossteil der Zeremonie hin singt der Schamane icaros oder "Power-Songs" um die guten Geister einzuladen und die Heilung auszuführen. Manchmal werden Patienten dazu eingeladen neben dem Schamanen zu sitzen, der dann leise für jeden einzelnen singt.

Tabak ist zusammen mit der chapada, einem Bündel von Blättern ein wichtiges Instrument bei dieser Tradition. Tabakrauch wird über das Ayahuasca und den Patienten geblasen um die positiven Energien anzuziehen. Die chapada wird wie ein Percussion-Instrument verwendet um die Luft in regelmässigen Intervallen zirklulieren zu lassen. Andere Instrumente sind verschiedene Parfums, Weihrauch, Rasseln, Kristalle und andere “mächtige” Objekte. Am Tag nach der Ayahuasca-Heilung, gibt es in der Regel eine individuelle Behandlung mit anderen Heilpflanzen.

Die Kirche von Santo Daime

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Daime-Frauen sammeln Chacruna-Blätter
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In grossen Pfannen werden die Pflanzen gebraut
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Tanzen und singen nach
dem Trinken des Sakramentes
Die von Raimundu Irineu Serra in den frühen 1930er Jahren gegründete Santo Daime Kirche hat die wahrscheinlich bekannteste Ayahuasca-Tradition. Es handelt sich um eine Integration katholischer, christlicher Überzeugungen mit Einfluss einheimischer entheogenischer ( 'Gott in sich manifestierender') Pflanzen. Dies ist interessant, wenn man die Inquisition vor rund vier Jahrhunderten, die auch eine nahezu vollständige Beseitigung der (Ayahuasca)-Schamanen und ihrer Kosmologie beinhaltete, in Betracht zieht. Dies passierte vorallem auch durch Behörden, die im Namen des Katholizismus handelten.

Sie nennen Ayahuasca Daime und es ist ihr Sakrament in den sogenannten trabalhos (Sitzungen). Abgesehen vom eigentlichen Brauen, werden alle Rituale in geschlossenen, voll beleuchteten Sälen abgehalten, angeführt vom padrinho. Es ist heute eine weit verbreitete Tradition, mit vielen Zentren in Brasilien und einigen in Europa.

Obwohl es bei der Santo Daime fünfzehn verschiedene Arten von Sitzungen mit 4 bis 800 Teilnehmern gibt, kann man zwischen fünf wichtigen Sitzungen unterscheiden. Die concentração (Konzentration oder Meditation) wird zweimal pro Monat abgehalten. Das Gebräu wird von allen Anwesenden am Beginn der Zeremonie eingenommen und gewöhnlich auch noch einmal später. Die concentração dreht sich um einen Zeitraum von etwa zwei Stunden, in denen die Teilnehmer in völliger Stille sitzen. Vor und nach dieser Zeit der Stille wird gebetet und gesungen. Normalerweise beginnt eine Sitzung um 8 Uhr abends und dauert etwa sechs Stunden.

Die Santo Daime hat an bestimmten Tagen festliche Sitzungen, einschliesslich Weihnachten, Neujahr und manchmal auch bei Hochzeiten oder Jubiläen. Sie tanzen und singen stehend in geordneten Formationen, mit einer Gruppe gitarrespielender Menschen bzw. manchmal auch anderen Instrumenten, wie z.B. elektrische Orgel, Flöte oder Klarinette. Viele Teilnehmer schütteln die maraca, eine aus Zinn oder Aluminium gefertigte Rassel mit Samen im Inneren. Die festlichen Sitzungen dauern in der Regel rund elf Stunden und werden in der Nacht abgehalten. Daime wird bis zu fünfmal während der Sitzung serviert. Nach dem zweiten Mal gibt es eine Pause, in der die Teilnehmer ins Freie gehen um sich zu entspannen.

Manchmal begehen auch wenige Teilnehmer eine intime Sitzung, trabalhos de estrela genannt, deren Name sich auf den sternenförmigen Tisch in der Mitte des Saales, in dem alle Sitzungen stattfinden bezieht. Diese Session konzentriert sich speziell auf die Krankheit eines Teilnehmers und es wird gesungen um diese Person zu heilen. Es gibt auch eine spezielle Art von Sitzung, die nur sehr selten stattfindet, sie heisst missa (Masse) und ist für die Toten bestimmt.

Die fünfte Art der Sitzung ist die Vorbereitung eines Gebräus namens feitio, diese wird draussen abgehalten. Grosse Portionen von Daime werden im Laufe dieses Rituals, bei dem Hymnen gesungen, die Ayahuasca-Reben gesammelt und mit einem Hammer von acht bis vierzehn Männern zerstampft werden, serviert. Die chacrona wird vor der feitio von den Frauen gesammelt und gereinigt. Der Padrinho macht dann letztendlich das Gebräu, wobei ihm von den Mitgliedern der Gemeinschaft geholfen wird, er ist es auch der die Methode der Zubereitung auswählt und die Mengen der Zutaten bestimmt.

Die Santo Daime Kirche ist bekannt für ihre Hymnen, oder hinos, die sie angeblich von der astralen Welt unter dem Einfluss von Daime, durch den Padrinho oder andere prominente Mitglieder, erhalten haben. Dies sind die einzigen niedergeschriebenen Lehren der Kirche, sie bilden den Kern einer Sitzung. Allgemein können sie mit den icaros der Ayahuasca Schamanen verglichen werden.

União do Vegetal

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Eine der UDV nuclei in Brasilien
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Der Mestre giesst hoasca bei einer UDV-Sitzung
Die meisten der folgenden Beschreibungen wurden aus dem Buch "Ayahuasca, eine Kritik der psychedelischen Vernunft", mit der freundlichen Genehmigung des holländischen Autors und Philosophen Govert Derix, kopiert.

Die União do Vegetal wurde am 21. Februar 1961 in Porto Velho Rondonia, Brasilien von José Gabriël da Costa, einem Gummi-Klopfer gegründet. Durch das Arbeiten in den Gummi-Lagern, wurde er mit den einheimischen Indianern in Bolivien vertraut, die ihn mit Ayahuasca direkt im Dschungel bekannt machten. Das Ritual, das aus seinen Ideen entstand wird jeden ersten und dritten Samstag des Monats von etwa 10.000 Männern und Frauen in ganz Brasilien praktiziert. Es gibt etwa 40 bis 50 Rituale im halben Jahr, bei denen Ayahuasca getrunken wird, normalerweise in milderen Dosen als daime.

Die Sitzungen finden unter der Leitung eines Leiters ('Mestre') statt, der den Tee verteilt und die kollektiven und individuellen Erfahrungen leitet. Dies tut er in erster Linie durch das Singen von chamadas, speziellen Gesängen über die Herkunft von Ayahuasca, die Bedeutung der Auswirkungen von Ayahuasca (burracheira) und über den Sinn des Lebens eines Ayahuasqueiro (jemand, der regelmässig A. trinkt.) Die Teilnehmer hören Musik und haben auch die Möglichkeit Fragen an den Mestre oder die Gruppe zu stellen.

Wie die Santo Daime, gewinnt auch die UDV stets mehr an Popularität in allen Gesellschaftsschichten, wobei ihre Zentren, die so genannten "nuclei", die es in allen wichtigen Städten Brasiliens aber auch in Europa gibt, eine grosse Rolle spielen. "União" bedeutet "Union" und bezieht sich auf die Vereinigung der scheinbar getrennt Prinzipien. Ein einfaches Beispiel ist die Vereinigung der verschiedenen Pflanzen in diesem Gebräu. In der UDV heisst banisteriopsis caapi "mariri" und repräsentiert Macht. Psychotria viridis heisst chacrona und steht für Licht. Ein weiteres Beispiel ist die Vereinigung der männlichen und weiblichen Grundsätze. Die Mitglieder des UDV beziehen sich auf verschiedene Arten der Vereinigung vor allem auf die Vereinigung mit dem Universum in seiner Gesamtheit durch das Trinken von vegetal, Ayahuasca mit der Phrase “fazer a ligação”, das die Verbindung herstellt.

So wie viele andere Religionen, hat die UDV ihre Treffen und Feste in einem jährlichen Rahmen organisiert. Sie finden in einer geschlossenen, beleuchteten Halle statt, wobei alle Teilnehmer in Armsesseln sitzen. Die wichtigsten Veranstaltungen sind die sessões de escala, die jeden ersten und dritten Samstag des Monats abgehalten werden. Sie beginnen um acht Uhr abends und enden eine Viertelstunde nach Mitternacht.

Neben den offiziellen Sitzungen gibt es Sitzungen an christlichen Feiertagen (Weihnachten, Ostern), an Tagen mehrerer christlicher Heiliger (St. John, St. Peter), am Geburtstag des Gründers der UDV, am Gründungstag der UDV, am Muttertag, am Vatertag und während reveillon, dem Übergang zum neuen Jahr. Erfahrene Ayahuasqueiros nehmen auch an sessões instrutivas, lehrreichen Sitzungen teil, bei denen die Trinker mehr die esotherische Aspekte der UDV erkunden. Die letzte Art der Sitzung ist die preparo, bei der die vegetal zubereitet wird und wie bei Santo Daime feitio getrunken wird.

Die offiziellen Sitzungen jeden ersten und dritten Samstag im Monat haben das folgende Programm:

Barquinha

barquinha
Barquinha Ritual
Die 1945 in Rio Branco, Brasilien gegründete Kirche kombiniert Elemente der afro-brasilianischen Umbanda Religion und der Santo Daime. Der Namen bedeutet “kleines Boot” und verweist auf das Boot, das der Gründer Frei Daniel Pereira de Mattos in einer Vision sah. Es repräsentierte die spirituelle Reise. Die Barquinha hat mehr Rituale als die Santo Daime und die UDV und es wird ein stärkeres Getränk ausgeschenkt.

In einigen Sitzungen, die auf Umbanda Ritualen basieren, treten Barquinha Mitglieder, die häufig in Seemannsuniformen gekleidet sind, in einen Trancezustand und nehmen Spirits auf. Während einigen Sitzungen wird die gira aufgeführt, ein Kreistanz der von der Umbanda übernommen wurde. Drei Mal pro Jahr gibt es eine Wallfahrt, oder auch romaría genannt, die bis zu 30 Tage lang dauern kann, mit nächtlichen Ayahuascasitzungen. Bei den nicht-festlichen Sitzungen werden salmos von einem Kantor gesungen und der siztende Rest beteiligt sich bei den Refrains. Diese Hymnen sind in der Regel viel länger als die der Santo Daime.