Chemie

CHEMIE UND PSYCHOPHARMAKOLOGIE

harmine
2D-Bild eines Harmin-Moleküls
dmt
2D-Bild eines Dimethyltryptamin-Moleküls

Ayahuasca ist so komplex wie Chemie und Psychopharmakologie zusammen überhaupt sein können. Es gibt eine einzigartig breite Palette an botanischen Quellen und eine unendliche Menge an Zubereitungsmethoden, die in der Regel psychoaktive Verbindungen beinhalten, die wir erst beginnen wissenschaftlich zu verstehen, so wie z.B. DMT oder 5-MeO-DMT. Die Pflanzenbezugsquellen, die chemischen Prozesse und psychopharmakologischen Aktionen, die weiter unten beschrieben werden, sind jene die allgemein als am bemerkenswertesten gelten.

BANISTERIOPSIS CAAPI

Die primär wirkenden Verbindungen in B. caapi sind die Alkaloide Harmin, Harmalin und Tetrahydroharmin. Sie alle gehören zur Gruppe der β-Karboline, was bedeutet, dass sie MAO-Hemmer sind. Harmin wurde zuerst als “Telepathin” bezeichnet. Später entdeckten Wissenschaftler aber, dass sie dieser Verbindung schon bei S. harmala Samen begegneten, also wurde “Telepathin” hinfällig.

In den Rezepten der Amazonas-Indianer, ist die Liana selbst in der Regel das wichtigste Element. Tests von verschiedenen Proben haben einen Wert von 20 bis 40 mg, 144 bis 158 mg und sogar 401mg β-Karbolin pro Dosis ergeben. Andere Alkaloide, die in B. caapi enthalten sind: Harmin-N-Oxid, harmische Säure Methylester, harmalinische Säure, harmische Amide, Acethylnorharmin und Ketotetrahydronorharmin.

Harmin und andere MAO-Hemmer verhindern den Abbau von Monoaminoxidase Neurotransmittern durch das Hemmen der Wirkung von Monoamin-Oxidase-Enzymen. Neben dem Erstellen eines Pfades für mündlich eingenommene ansonsten inaktive Tryptamine, macht dieser bestimmte Stoffe, vor allem Tyramin und Tryptophan schädlich. Diese Verbindungen sind Teil vieler Arten von Lebensmitteln, wie z.B. Käse und reife Früchte.

PSYCHOTRIA VIRIDIS UND DIPLOPTERYS CABRERANA

Die primär wirkende Verbindung bei P. viridis- und D. cabrerana-Blättern ist das Indol Ethylaminalkaloid n,n-Dimethyltryptamin. Verschiedene getestete Proben von Gebräuen aus dem Amazonas haben 25 bis 36 mg N,N-DMT pro Dosis ergeben. Es hat eine ähnliche Struktur wie Serotonin und deshalb eine Affinität zu mehreren serotonergen 5-HT2-Rezeptoren. DMT ist, wie LSD, ein partieller Agonist auf den Rezeptoren-Subtyp 5-HT2A. Wenn Menschen nur DMT allein mündlich einnehmen wird es vom endogenen Enzym Monoaminoxidase-Oxidase in inaktive Aldehyde umgewandelt.

Die β-Karboline in den Reben hemmen vorübergehend die Produktion dieses Enzyms, so dass das DMT die sensiblen Teile des Gehirns erreichen kann, während es noch wirkungsvoll ist. Im Inneren des Nervensystems liegen diese in der Nähe der meisten reich an serotoninergisch erschliessbaren Gebieten, einschließlich des Neocortex (vor allem des präfrontalen, parietalen und somatosensorischen Kortex) und des olfaktorischen Tuberculum. Ausserhalb des Nervensystems liegen die 5-HT2A-Rezeptoren in Thrombozyten (Zell-Fragmente, die im Blut zirkulieren und die Gerinnung beeinflussen) und einigen Muskeln.

Beim Einatmen durch einen Vaporizer oder eine Bong bietet DMT eine ausgeprägte Wirkung ohne die Intervention eines MAO-Hemmers. Das gleiche gilt für parenterale Einnahme (durch die Nase), was auch eine wichtige Tradition des Yanomamo-Stammes (siehe die Wikipedia Yopo-Seite) ist. Einatmen hat eine bis zu 30 Minuten anhaltende Wirkung. Nasale Einnahme von DMT bewirkt einen bis zu 60 Minuten dauernden Trip. Oral, mit der entsprechenden Menge an MAO-Hemmern zieht einen zumindest 3 Stunden dauernden Trip nach sich. Intramuskulöse und intravenöse Zunahme ist auch ohne MAO-Hemmer wirkungsvoll.

Im Gegensatz zu S. viridis, enthält D. cabrerana nicht nur DMT (zwischen 0,17 und 1,75 % der Blätter), sondern auch N-Methyltryptamin, 5-MeO-DMT, Bufotenin und N-Methyltetrahydro-β-Karbolin. Die Stiele enthalten in etwa das selbe mit Ausnahme von Bufotenin. 5-MeO-DMT (5-Methoxy-Dimethyltryptamin) ist, wie DMT, eine psychedelischer Wirkstoff.

DMT

Der Status quo von DMT in der vorherrschenden Wissenschaft ist, dass es, abseits seiner psychedelisch-visionären Eigenschaften, auch ein Nebenprodukt des Stoffwechsels ist. Angesichts einer Ayahuasca Erfahrung, schreit diese Schlussfolgerung natürlich nach mehr wissenschaftlicher Forschung. Nachdem DMT genauso illegal ist wie LSD und Heroin, ist es ein aber schwieriger Prozess für interessierte Personen um DMT tatsächlich erforschen zu können.

Dr. Rick Strassman, Professor an der University of New Mexico Medical School, hat es geschafft den bürokratischen Dschungel, der FDA, DEA und anderer Behörden zu überstehen. Im Jahr 1991 leitete er das erste offizielle psychedelische Forschungsprogramm in den USA seit 1970. 2001 veröffentlichte Strassman seine Erkenntnisse in “DMT: The Spirit Molecule”.

DMT wird immer im Körper produziert und es ist wahrscheinlich auch in den Prozess des Träumens involviert. DMT ist ausserdem einer der wenigen Stoffe, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. Es ist kaum etwas bekannt darüber, wie die extreme psychedelische Aktivität von DMT wirklich funktioniert.

DMT wird heutzutage mehr und mehr von Psychonauten, auch in seiner rauchbaren Form verwendet. Sie benutzen schwer zu erhaltende botanische Extrakte aus Acacia oder Mimosa hostilis, die rein genug sind und genug DMT erhalten um durch Einatmen zu wirken. Wenn man die ungereinigten Blatt oder anderes DMT-enthaltendes Pflanzenmaterial raucht, braucht es in der Regel viele Züge um auch nur die geringste Wirkung zu erreichen. Das macht Dich erschöpft, bevor die Wirkung überhaupt beginnt.

Ein Kompromiss ist Changa, eine Rauchmischung, die sowohl (Extrakte von) DMT-enthaltenden Kräutern als auch MAO-Hemmern enthält. Es gibt kein Standard Changa-Rezept, sondern verschiedene Leute produzieren ihre eigene Mischung. Eine Changa-Erfahrung dauert etwas länger als eine DMT Erfahrung. Es wird berichtet, dass es eine eher tiefgründigere Wirkung hat.

Hier ein Beispiel für eine DMT-Extraktion. Bitte beachte, dass die Extraktion von DMT neben des potenziell gefährlichen chemischen Verfahrens, auch in den meisten Ländern illegal ist..

DMT EXTRAKTION

  1. Breche ein halbes Kilo Mimosa hostilis Wurzelrinde in ca. 5 cm-Teile und zermahle alles in einem Mixer.
  2. Polar-Extraktion: Vormix in einem leeren ca. 4 Literbehälter: 1 Viertel weisser Essig und 3 Viertel Wasser. Gib das zermahlene Mimosa in einen 3-Liter-Slowcooker/Crockpot (Elektrokocher), dann fülle es mit der Wasser-Essig-Lösung an. Rühre gut um und schalte den Kocher auf “hoch”. Entferne nach 2 Stunden den Keramik-Behälter, halte den Deckel leicht schief und giesse den grössten Teil der Flüssigkeit in einen 4-Liter-Glasbehälter. Fülle mit der restliche Essig-Wasser-Lösung den Crockpot wieder. Rühre gut um und schalte auf “hoch”.
  3. Entferne nach 2 Stunden den Keramik-Behälter, halte den Deckel leicht schief und giesse alles in den gleichen Behälter den Du auch schon vorher benutzt hast. Die Wurzelrindefasern kannst Du entsorgen und die 2 kombinierten Mischungen behältst Du, die Rückstände sollen sich über Nacht am Boden des Gefässes absetzten. Giesse die Flüssigkeit in ein anderes Gefäss ab, ohne dabei die Rückstände mitzunehmen, Du kannst sie entsorgen.
  4. Basifizierung: Bereite vorher schon eine Mischung aus 5 Esslöffel (63 Gramm) Natriumhydroxid (“Roter Teufel”-Lauge oder suche nach Ätznatron bzw. NaOH) und einem halben Liter warmem Wasser zu. Rühre gut um. Fülle die Lösung langsam in einen Krug und schliesse ihn. Kippe den Krug sanft hin und her für ca. 1 Minute um den Inhalt vollständig zu vermischen.
  5. Nonpolare Extraktion: Füge 250 ml VM & P-Naphtha (Rohbenzin) hinzu. Fülle genau so viel warmes Wasser in den Krug, sodass der Spiegel 2,5 cm unter dem Rand liegt und schliesse das Gefäss. Kippe den Krug/Einmachglas für 5 Minuten hin und her um den Inhalt vollständig zu vermischen. Lass das Gefäss mindestens 4 Stunden ruhig stehen. Es sollten nun zwei Schichten im Gefäss sichtbar sein, eine grosse, dunkle unten und eine kleinere, klare oben. Verwende eine grosse Glaspipette um die oberer klare Schicht abzusaugen und in ein Halbliter-Einmachglas zu geben. Achte darauf die untere braun-schwarze Schicht nicht mit zu saugen.
  6. Gefrier-Niederschlag: Stelle das verschlossene Einmachglas für 3 Tage in den Gefrierschrank, damit sich die Kristalle ansetzten. Bereite ein Filtersetup vor, indem Du einen Trichter in Einmachglas gibst und einen Kaffeefilter in den Trichter gibst. Schüttel das Glas mit der Lösung, so dass alle Kristalle vom Boden aufsteigen und giesse alles in den Trichter um die Kristalle heraus zu filtern. Nun kannst du auf dem Kaffeefilter unreine DMT-Kristalle sehen. Lasse die Kristalle auf dem Filterpapier im Trichter vollständig austrocknen.
  7. Waschen: Bereite eine Waschenlösung durch Mischen von gleichen Teilen destilliertem Wasser und nicht-seifigem klarem Ammoniumhydroxid (Ace Hardware janitorial strength ammonia) in einem Halblitergefäss vor. Giesse langsam 100 ml der Waschlösung über die Kristalle (die sich noch auf Filter befinden) um diese zu waschen. Entferne das Filterpapier aus dem Trichter, breite es flach aus und lass die Kristalle vollständig austrocknen. Du hast nun 2,5 Gramm weisses kristallines DMT bzw. mindestens 50 starken Dosen.

PHALARIS ARUNDINACEA

Diese Pflanze ist auch als Rohrglanzgras bekannt und ist eine der wenigen DMT-Quellen, die man auch in Europa finden kann. Es wurde ein wenig darüber geforscht, wie genau man diese Pflanze als botanische DMT-Quelle für ein Ayahuasca-Analogon verwenden kann. Jim DeKorne, Autor des Buches “Psychedelic Schamanism”, ist einer der wenigen Menschen, der Informationen darüber veröffentlicht hat, wie P. arundinacea bearbeitet werden kann um den Stoff verwendbar zu machen. Seine Idee der Rohrglanzgras-Extraktion ist diese:

  1. Pulverisiere den Grasverschnitt
  2. Genug Wasser hinzufügen um “eine schüttbare Suppe zu machen”
  3. Auf pH 5 versauern
  4. (optional) Lass die gesäuerte Suppe in einem langsamen Kocher über Nacht köcheln, so dass keine Flüssigkeit verdunstet
  5. Siebe die Pflanzenrückstände durch ein Seihtuch und dann durch einen Kaffeefilter
  6. Füge 10 bis 15% der Lösung zu einem “entfettenden Lösungsmittel”, wie Methylenchlorid, Äther, Chloroform oder Naphtha hinzu
  7. kräftig schütteln
  8. der Mist geht ins Lösungsmittel über, so dass der gute Teil im Wasser bleibt
  9. Trenne das Wasser vom Lösungsmittel
  10. Füge in kleinen Schritten eine Base zur wässrigen Lösung hinzu, bis der pH-Wert etwa 9 oder 10 ist. Dies verwandelt die Alkaloide in eine freie Base
  11. Extrahiere 10% der Masse der Lösung an einem organischen Lösungsmittel viermal, bei einem 24-Stunden und anschliessend dreimal wöchentlichen Abstand. Die Lösungsmittelschicht bekommt eine dunklere Färbung, meist gelblich oder rötlich-braun. Es dauert fast ein Monat um alle Alkaloide zu extrahieren und die Lösung sollte mindestens zweimal pro Tag zwischen den Extraktionen geschüttelt werden
  12. Verdampfe die Lösung aus den extrahierten kombinierten Teilen. Du hast nun die Alkaloide

In “The Entheogen Review”, einer späteren Publikation, hat DeKorne mehr Informationen über die Phalaris-Extraktion:
“Die letzte Erkenntnis ist, dass Du gar keine chemischen Extraktionen mehr durchführen musst – lasse mehrere Handvoll des Grases durch einen Weizengras-Entsafter laufen (wird in den meisten Bio-Lebensmittelgeschäften verkauft) und Du bekommst ein Glas mit einer unglaublich potenten Flüssigkeit. Ein Teelöffel (mit MAO-Hemmer, natürlich) ist eine Standard-Dosis bei starkem Gras. Schon zwei Teelöffel erwiesen sich als sehr anspruchsvoll für einen meiner Korrespondenten, einem OD! Der Saft kann getrocknet und in einer Bong geraucht werden – zwei Hüte sind in der Regel genug.”